Zurück zur Natur: Keine Angst, gesichtsnackt ab 40? Das geht! – Tas

Zurück zur Natur: Keine Angst, gesichtsnackt ab 40? Das geht!

von Anja Kuhn am 25. November 2016
Foto: in_spotlights/fotolia.com

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Ja, wie denn jetzt? Macht Schminken nun älter oder jünger? Einigen wir uns darauf, dass zu viel Make-up in zu jungen Jahren ihren Trägerinnen nicht gut tut. Für Damen ab 40 hingegen müsste das dann im Umkehrschluss heißen: No Make-up ist das beste Make-up. Aber darf man das? Gerade ab einem Alter, in dem – nennen wir es mal – verstärkt Handlungsbedarf besteht? Ja sicher darf man das. Aber nicht immer erntet man dafür auch Applaus.

Alicia Keys brachte den Stein ins Rollen

Was für mich einer aus der Rubrik „Pillepalle“ ist, scheint für andere hingegen ein großes Thema zu sein. Bei den Schönen, Reichen und Berühmten herrscht in diesem Punkt gerade ganz schön Bewegung. Spätestens seit sich Sängerin Alicia Keys bei den MTV Music Awards „oben ohne“ zeigte. Damals gab es ein Riesen-Bohei in den sozialen Netzwerken.

Dass sie wie immer super gut sang und noch dazu eine flammende Rede für Martin Luther King hielt – ach, wen juckt’s? Ungeschminkt zu erscheinen geht eben gar nicht, befand der „Social Mob“. Ihr Auftritt wurde fast schon als Respektlosigkeit gesehen. Schließlich wollen Promis in der Regel auf dem Roten Teppich perfekt aussehen. Aber die Grammy-Preisträgerin pfiff einfach drauf. Und das sogar mit Ansage.

In einem Essay für Lennyletter.com hatte die Sängerin bereits im Mai 2016 ihren Make-up-Ausstieg angekündigt. Sie wolle sich damit gegen die Unterhaltungsindustrie wehren, die sie über die Jahre immer mehr zu einem „Chamäleon“ hätte werden lassen. „Ich war nie völlig ich, sondern veränderte mich ständig, damit mich die Leute akzeptieren“, erklärte sie ihre Abkehr vom Beauty-Wahn.

Das Leben hinterlässt Spuren – und Konturen

Promis wie Adele, Katie Holmes, Cameron Diaz, Gwen Stefani oder Gwyneth Paltrow zogen gesichtsnackt nach. Auch „unsere“ Heidi Klum. Auf dem Roten Teppich bei der New York Fashion Week glänzte sie mit wenig Puder und viel Natürlichkeit. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die Menschen offenbar schon ein wenig an Natur pur gewöhnt. Die sonst nie um eine Meinung verlegene Kommentier-Gemeinde hielt die Füße erstaunlich still. Es sei ihr mutigster Auftritt sei das gewesen, hieß es sogar lobend.

Über die Definition von Mut kann man sicherlich streiten. Wenn man sich so lange in Model- und Medienkreisen mit all ihren Hatern und Neidern bewegt wie sie, ist da aber vermutlich was dran. Ich fand sie wunderschön, so ganz ohne Rouge, Augen-Make-up und Lippenstift. Jugendlich frisch wirkte sie mit ihren 43 Jahren, einschließlich vier Kindern und zwei Scheidungen.

Was die Frau hinter sich hat, reicht schon aus, einem Gesicht Kontur zu verleihen. Dafür braucht’s eigentlich keine Cremes oder künstliche aufgetragene Schatten. Aber natürlich ist auch der Alles-Echt-Look nicht ganz echt. Auch hier wurde eine Grundierung aufgetragen, die Rötungen oder Pickelchen abdeckt. So ganz ohne geht es eben doch nicht.

Ich zumindest bin froh, kein Promi zu sein und in einem Umfeld zu leben, in dem die Optik nicht permanent auf den Prüfstand gestellt wird. Ach, ist es nicht schön, mit seinen Freunden, Bekannten und der Familie einfach so vor sich hin zu knittern? So ganz genüsslich und ohne ständig vergleichend nach links und rechts zu schauen? Denn das Schöne ist: Es geht allen gleich. Da fällt der Kontrast nicht so auf.

Esther Hetzert

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Esther Hetzert ist bergisch durch und durch. In Solingen aufgewachsen hat es sie nach einem Schlenker über Köln nach Bergisch Gladbach verschlagen. Das journalistische Handwerk hat sie von der Pike auf gelernt. Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in Köln und Wuppertal volontierte sie beim Solinger Tageblatt. Seit 1997 arbeitet sie als Redakteurin. Inzwischen hat sie ihr eigenes Redaktionsbüro und unterstützt seit Oktober 2015 das Team der tas als Autorin.
Ihre Studienfächer lassen es schon erahnen: Esther hat einen ausgeprägten Hang zum englischsprachigen Raum. Besonders hat es ihr Großbritannien angetan, und dort vor allem die Royal Family. Zwar lebt sie im wahren Leben mit ihrer Familie in „Gläbbisch“. In ihren Träumen aber residiert sie längst in Windsor Castle.

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