Trachtenmode – Tradition ist trendy – Tas

Trachtenmode – Tradition ist trendy

von Anja Kuhn am 29. August 2016
Foto: Lola Paltinger/Martin Nink

Foto: Lola Paltinger/Martin Nink

Landliebe, Landlust, Landleben – Worte und Werte, die die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen und dem Natürlichen verkörpern. Rückbesinnung auf das Einfache und Traditionelle ebenso wie auf altes Kulturgut sind kein Wiederspruch zu neuesten Trends und Entwicklungen. So verwundert es nicht, dass auch die Mode, und hier ganz besonders die Trachtenmode, seit Jahren einen Aufschwung erleben.

„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche,
sondern die Weitergabe des Feuers.” Gustav Mahler (1860-1911)

Besser lässt sich die Wandlung der Trachtenmode nicht beschreiben! Das „echte“ Dirndl war schon immer modischen Veränderungen ausgesetzt. Lediglich die einzelnen Bestandteile sind sich treu geblieben:
ein enges Leibl (Mieder) rund, eckig oder hochgeschlossen, ein weiter Rock auf der Taille oder etwas tiefer angesetzt, Bluse und Schürze gehören einfach zusammen. Die Stoffe, Accessoires und Farben verändern
sich jährlich. Auch bei den Herren variieren lediglich Länge, Material und Verzierung. Der grundsätzliche Charakter einer Lederhose bleibt gleich. Und so zeigen uns die Designer und Jungdesigner, was sie alles aus der Kleidung herausholen. Trachtenmode, die zu schade ist, um sie ausschließlich im Bierzelt zu tragen!

Foto: Silk & Pearls

Foto: Silk & Pearls

Pfoad, Lofer und Krachlederne

Die Herren haben es immer leichter bei der Kleiderwahl – könnte Frau denken. Aber ganz so einfach ist das sowohl im Alltag als auch bei der Trachtenkleidung nicht. Zwar unterliegen zum Beispiel die Lederhosen nicht so stark den neuesten Modetrends aber ebenso wie beim Dirndl gibt es sie in verschiedenen Längen – kurz, Kniebund oder lang.
In diesem Jahr ist „Mann“ in der kurzen Plattlerhose absolut im Trend. Sie endet knapp über dem Knie und ist bequemer und luftiger als die längeren Varianten. Der Name stammt von den alpenländischen Schuhplattlern
ab, für deren charakteristischen Schnalzgeräusche die nackte Haut notwendig ist.
Das Material für Lederhosen reicht von Rinderspalt oder Schweinsleder bis Hirsch, Reh- oder Wildbockleder. Rehleder wird erst seit einigen Jahren für die Krachlederne verwendet. Es ist noch edler und strapazierfähiger und dabei gleichzeitig dünner und weicher. Aufgrund der Größe der Tiere können die Hosen jedoch nicht für jede Konfektion in einem Stück gefertigt werden.
Das Beste an einer Lederhose aber kann man nicht kaufen: Die Patina. Sie entsteht erst durch das Häufige tragen und verleiht einer Hose ihren eigenen Charakter. Waschen und reinigen lassen kann man sie natürlich nicht. Wasser und Kernseife können helfen, aber: Flecken und Gebrauchsspuren erzählen ihre eigene Geschichte. Und da sie nahezu unverwüstlich sind, kann eine Krachlederne ein Leben lang getragen werden.

GEWACHST ODER USED

Ebenso wie bei Jeans-Hosen ist der „Used Look“ bei Lederhosen immer mehr im „Kommen“. Sie erhalten bereits im Werk einen Look, als seien sie schon einmal getragen worden. Mit Hilfe einer aufwändigen Behandlung bekommen sie eine künstliche Patina und Sitzfalten. Natürlich kann man auch unter dem Motto „Do it Yourself“ selber Hand anlegen. Aber hier ist Vorsicht geboten, damit der Schaden nicht größer ist als der Nutzen. Hilfsmittel sind hier Melkfett, Wasser und Bürsten zum Schrubben. Auch gewachste Lederhosen vermitteln den gebrauchten Eindruck und sind ab Werk erhältlich.

WAMS UND PFOAD

Das weite Leinenhemd – auch Pfoad genannt – ist traditionell die perfekte Ergänzung zum Leder und ist klassisch weiß oder naturfarben. Im Trend sind heute körperbetonte bzw. weniger weite Hemden in farbigem Vichy-Karo mit passenden Manschetten-Knöpfen und farblich abgestimmter Weste. Hier stehen hauptsächlich Materialien wie Samt und Brokat aber auch Taft und Baumwolle hoch im Kurs. Meist haben sie vorn ein einfarbiges oder dezentes Muster, während der Rücken traditionell aus schwarzem Stoff besteht. Seit einigen Jahren sind auch Strickwesten wieder auf dem Vormarsch. Der Klassiker ist aus Wollstrick mit Zopfmuster gearbeitet.

SCHUHWERK

Auch wenn sich in den letzten Jahren der Sneaker zu einem Trachtenbegleiter entwickelt hat, ist doch der Trachtenschuh- oder Stiefel aus echtem Leder das absolute Must-Have und verleiht dem gesamten Outfit den richtigen Stand. Als Original ist der Haferlschuh aus dem Allgäu unschlagbar. Aber auch derbe Bergschuhe und Stiefeletten sind stilsicher.

DIE NACHT WIRD ZUM TAG

Edle Farb- und Materialkombinationen waren bisher auf Abend- und Festveranstaltungen Ton angebend. Nun haben sie auch am Tag ihren großen Auftritt. Hochwertige Stoffe wie Brokat, Taft und Spitze gehören zu dem Standardrepertoire der Dirndl-Designer. Aufwendige Stickereien und Pailletten sorgen für zusätzliche Eleganz.

Bei Farben und Mustern geht der Trend in diesem Jahr in zwei Richtungen: Die erste zeigt sich klassisch und dezent – entweder uni oder klein gemustert mit winzigen Streublumen, Pünktchen, Herzchen oder dem Evergreen der Trachtenmode: Vichy-Karo. Es wirkt frisch und ursprünglich zugleich und tritt altbewährt in rosa, hellblau und rot auf. Rot ist 2016 ein absolutes „Must“ und präsentiert sich gerne in den Varianten Kirsch-Rot, Tomaten-Rot, Brombeer-Rot und Aubergine. Grün dagegen ist und bleibt immer ein Thema – 2016 auch gerne in einem kräftigeren Ton als im letzten Jahr.
Der zweite Trend bringt kräftige Farben und auffällige, große Karos ins Spiel. Grasgrün, Gelb und ganz besonders Orange fallen hier ins Auge. Das Evergreen – und in diesem Jahr ein Megatrend – ist Schwarz.
Insbesondere in Kombination mit edlen Stoffen.

DIE LÄNGE MACHT´S

Erlaubt ist, was gefällt und der Trägerin gut steht. Für kleinere Frauen mit kurzen Beinen eignet sich die Midi-Länge – das heißt knieumspielend bis „Mitte Wade“ (70er Länge) sehr gut. Diese Länge wird in diesem Jahr auch von den Trachten-Experten ganz besonders bevorzugt, da sie gleichzeitig traditionell und erwachsen aber nicht zu ältlich wirkt. Generell spielt die Längen-Vielfalt eine große Rolle. Mini und Maxi-Dirndl – Länge bleiben also ebenso im Trend.

PIMP YOUR DIRNDL

Dirndl-Styling ist angesagt. Schürzen eigenen sich hierzu besonders gut. Variationen mit abgerundeten Ecken und Rüschen, aus Taft und sogar zum Wenden verleihen dem Dirndl einen neuen Look. Verspielte Bluse oder ein
Dirndl-Charivari peppen einfache Dirndl oder Lieblingsstücke ganz leicht auf. Besonders angesagt sind in diesem Jahr auch Unterröcke. Die an die Petticoats aus den 50er Jahren erinnernde Modelle lassen die Röcke schwingen
und können einzeln gekauft werden. Bei einem neuen Dirndl sind sie fest meist fest integriert. Farbig passend oder als Kontrast sind sie ein echter Hingucker. Aber auch mit den Klassikern in weiß und schwarz ist Frau stets gut
gekleidet.

BALLERINA, PEEPTOE ODER STIEFEL?

Bequem oder sexy – eine wichtige Frage. Ballerina sind bequem und perfekt für lange Tage. Neu ist, dass es sie in diesem Jahr auch mit einem kleinen Absatz gibt. Das gleiche gilt auch für Sneaker – die allerdings am besten
zu Mini-Dirndl und kurzen Lederhosen passen. Mit Haferlschuhen und derben Bergschuhen ist Frau stets gut beschuht. Und auch der klassische Dirndl-Stiefel als traditionelles Modell wird immer wieder gern getragen.
Peeptoes sind nicht nur zum Sommerkleid sondern auch zum Dirndl ein absoluter Hingucker. Ebenso wie „Cabrio-Pumps“. Perfekt sind Pumps oder Peeptoes, die mit dem Stoff des eigenen Dirndls oder farblich darauf abgestimmt bezogen werden.

Schauen Sie sich dazu auch unseren Look der Woche an! Die neueste Kollektion Krüger MADL by Stefanie Giesinger gibts bei Trachten Bender in Wiehl.

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