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Letzte Chance, das „alte“ Kuba zu erleben

von Simone Blaschke am 14. April 2016

Fotos: Kubanisches FVA

Durchforstet man die einschlägigen Fachmedien nach den Top-Reisezielen für 2016, ist Kuba in jedem Fall dabei. Gerade erst hat das Magazin Lonely Planet den Nationalpark Valle de Viñales auf Platz 3 der zehn sehenswertesten Reiseziele 2016 gewählt. Das kleine Tal mit seinen umliegenden Bergen gilt als eine der schönsten Landschaften Kubas. Seit die USA Ende 2014 die Beziehungen zu dem lange isolierten, sozialistisch regierten Inselstaat wiederaufgenommen haben, befindet sich der Tourismus auf der Karibik-Insel im Aufwind. 2015 verzeichnete Kuba 18 Prozent mehr Besucher im Vergleich zum Vorjahr. Wer den historischen Charme Havannas noch erleben will, sollte aber nicht mehr allzu lange warten. Die Beliebtheit des karibischen Inselstaates ist in diesem Jahr enorm gewachsen. Entsprechend sind auch die Preise gestiegen, wie die Experten auf der diesjährigen Reisemesse ITB in Berlin mitteilten. Das hält die meisten allerdings nicht von einer Kuba-Reise ab.

SCHNELL NOCH HIN, BEVOR NICHTS MEHR IST WIE FRÜHER
Während sich die Kubaner über den neuen Annäherungskurs des langjährigen Erzfeindes USA freuen, kommt bei europäischen Touristen Torschlusspanik auf. Vor allem Deutsche, Engländer und Kanadier lieben den morbiden
Charme von Havanna. Trotz der Kenntnis, dass dies die Folge jahrzehntelanger sozialistischer Mangelwirtschaft ist, sind die notdürftig geflickten und farbenfroh lackierten Oldtimer aus den 50ern und die dem Verfall preisgegebenen Kolonialhäuser der Hauptstadt, die schon lange auf einen neuen Anstrich warten, genau das, was Kuba-Touristen so anziehend finden. Und natürlich die unbändige Lebensfreude der Kubaner, die ihren Ausdruck im Salsa findet, der allgegenwärtig ist. Tagsüber, abends, an den Wochenenden, in Havanna, Trinidad oder Santiago de Cuba, sobald an einer Straßenecke Musik erklingt, schwingen die Kubanerihre Hüften zu den typischen Klängen des „Son“. Wenn dann noch Kubas berühmte Che-Guevara-Hymne „Hasta Siempre, Comandante“ erklingt, erliegen die Kubaner noch immer der melancholischen Ehrfurcht, die der revolutionäre Lieblingssohn des
Landes bis heute ausübt. Neben unzähligen Coversongs wurde der Song in der Version der sympathischen alten Männer vom „Buena Vista Social Club“ weltberühmt.

VERÄNDERUNGEN KOMMEN IN KLEINEN SCHRITTEN
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis US-amerikanische Touristen in Massen kommen und die Taschen der Kubaner mit den heiß ersehnten Dollars füllen. Solange können deutsche Touristen in aller Ruhe ihren Rumcocktail schlürfen, eine echte Havanna-Zigarre paffen, Salsa-Abende genießen und Che Guevara T-Shirts kaufen. Auch der Besuch der berühmten Hemingway-Bar „El Floridita“ im Zentrum von Havanna ist ein Muss. Hier hat der Schriftsteller Ernest Hemingway, der lange Jahre auf Kuba lebte, regelmäßig seinen Daiquiri getrunken. Der Cocktail aus Rum, Zucker und Limettensaft soll in dieser Bar sogar erfunden worden sein. Seit 2003 sitzt eine Bronzefigur von Hemingway an der Theke, der die Barkeeper angeblich jeden Tag einen Daiquiri mixen. Wer neben den alten Glanzlichtern in Havanna etwas Modernes sucht, sollte die Fabrica de Arte Cubano (FAC) besuchen, eine Art Party-Erlebnisparcours mit Cocktailbars, Kunstmuseen und Livekonzerten auf dem Areal einer ehemaligen Fabrik.

KUBA HAT VIELE GESICHTER – KARIBISCHE LEBENSFREUDE IST ÜBERALL
Außerhalb der Städte finden Urlauber traumhafte Landschaften, die, je nachdem, wo man sich auf der langgestreckten Insel gerade befindet, durch ihre unglaubliche Vielfalt überraschen. Vor allem die karibischen Strände
und Inseln laden zum Sonnenbaden, Schnorcheln und Tauchen ein. Varadero im Nordwesten ist der beliebteste Badeort und daher sind die Strände auch oft überfüllt. Doch je weiter man sich von den Hotels entfernt, desto
besser kann man auch hier die wunderschöne Natur genießen. Weiter östlich liegt eine vorgelagerte Inselgruppe, deren Bezeichnung „Gärten des Königs“ (Jardines del Rei) von den spanischen Kolonialherren im 16. Jahrhundert
zu Ehren des damaligen Königs stammt. Zu ihr gehören die sogenannten Cayos. Jede einzelne ist der Inbegriff einer karibischen Trauminsel. Von Korallenriffen geschützt, mit reichlich Wald und einer unglaublich vielfältigen
Fauna, fühlen sich in den seichten warmen Gewässern Scharen von rosa Flamingos wohl. Wer Orte abseits der üblichen Touristen Hotspots bevorzugt, sollte seinen Urlaub in Richtung Osten ausdehnen. Dort ist wesentlich weniger los, reizvolle Küstenstädte wie Baracoa laden zum Relaxen ein und im angrenzenden Alexander von Humboldt Nationalpark finden Aktivurlauber ein biologisch einzigartiges Naturschutzgebiet.
Kuba hat viele Gesichter. Die Strände zählen zweifellos zu den schönsten, die die Karibik zu bieten hat und Havanna´s 8 Kilometer lange Uferstraße Malecón zwischen Habana Vieja und Miramar, die Zehntausenden als Wohnzimmerersatz dient, darf man einfach nicht verpassen. Letztendlich sind die verblassten Farben der Häuser und der verbliebene Hauch der einstigen Pracht in den Straßen und Promenaden nur die Kulisse für das eigentliche Highlight Kubas: die ansteckende Lebensfreude der Menschen.

DATEN & FAKTEN
Die Republik Kuba ist ein Inselstaat in der Karibik. Geografisch gehört er zu den Großen Antillen. Kuba hat eine Fläche von rund 110.000 Quadratmeter (Deutschland: 357.380) mit 11,3 Millionen Einwohnern (Deutschland: 81,2 Mio). Das Bruttoinlandsprodukt beträgt etwa 7.000 USD je Einwohner (Deutschland: 41.000 USD). Die Hauptstadt Havanna (La Habana), mit 2,1 Millionen Bewohnern gleichzeitig die größte Metropole, liegt in der Westhälfte der Insel. Raúl Castro, Bruder des langjährigen Staatschefs Fidel Castro, ist seit 2008 Staatspräsident. Nachdem die USA 1961 die diplomatischen Beziehungen zum kommunistischen Kuba abgebrochen haben, näherten sich
die beiden Regierungen im Dezember 2014 erstmals wieder an und läuteten damit eine historische Wende ein, von der sich Kuba vor allem wirtschaftlichen Aufschwung erhofft.

KLIMA
Das Klima ist tropisch und wird vom Nordostpassat beeinflusst. Von November bis April herrscht trockenes Klima, zwischen Mai und Oktober ist Regenzeit. Am kältesten ist es im Januar mit 18 Grad (!), im Juli werden durchschnittlich 35 Grad und 9 Sonnenstunden gemessen. Die Meerestemperaturen haben das ganze Jahr über angenehme 24 bis 28 Grad Celcius.

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