Gefällt nicht, gibt’s nicht: Perfekte Mode, die aus dem Drucker kommt – Tas

Gefällt nicht, gibt’s nicht: Perfekte Mode, die aus dem Drucker kommt

von Esther Hetzert am 3. Juni 2016
Foto: Fotolia/corepics

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Die Zeiten, in denen man auf der Suche nach dem passenden Outfit resigniert vor dem Kleiderschrank stand, könnten bald vorbei sein. Dann nämlich, wenn 3D-Drucker das Ruder übernehmen. Klingt nach unrealistischer Spinnerei? Mitnichten. Denn die 3D-Technologie hält nun auch in der Modebranche Einzug.

Man stelle es sich mal vor: Schuhe aus dem Drucker. Und das in den abgefahrensten Farben und Styles. Dazu der passende Schmuck, Hut oder eine Tasche. Und natürlich Kleider, die genau auf die Figur abgestimmt sind, nirgendwo zwicken oder einengen. Fortan gäbe es nur noch Lieblingsteile. Herrlich! Wie das gehen könnte? Durch einen Bodyscan – und schon wäre die Grundlage fürs maßgeschneiderte Kleidungsstück aus dem Drucker geschaffen.

Manche Unternehmen haben bereits ihre Nische gefunden, wie zum Beispiel Feetz, die sich auf maßgeschneiderte Schuhe spezialisiert haben. Ein Foto der Füße dient als Arbeitsgrundlage. Daraufhin wird ein Modell hergestellt, das dann als Muster für den Schuh dient. Traditionelle Schuhgrößen könnten auf diese Weise überflüssig werden. Gleiches gilt für Konfektionsgrößen. Für Hersteller bedeutet das eine Umstellung, aber auch mehr Flexibilität, gerade was Trends angeht, die ja gerne mal kommen und gehen.

Es gibt kaum etwas, dass sich nicht mit 3D-Technologie umsetzen ließe – von Prothesen über Schokolade bis hin zu kompletten Gebäuden. Oder eben Textilien. Da gibt es Kleider, in die Reißverschlüsse eingearbeitet sind, die sich mittels einer Fernsteuerung öffnen lassen und ein bodenlanges Kleid kurzerhand zum Mini machen. Kaum ein Gegenstand, vor dem der Drucker sich drückt. Fast alles ist möglich.

Designerin macht schon seit Jahren Druck

Eine der ersten, die Mode aus dem Drucker entwarfen, war die Niederländerin Iris van Herpen. Zwar sind die futuristisch aussehenden Kreationen der Designerin alles andere als bürotauglich. Aber sie zeigen sehr anschaulich, was Print-Fashion alles kann. 2011 fand das auch das Magazin „Time“. Es bezeichnete ein von ihr digital produziertes Kleid als eine der „fünfzig besten Erfindungen des Jahres“. Inzwischen gibt es auch Accessoires als 3D-Print. Für die Edelmarke „Maison 203“ designt der Italiener Odoardo Fioravanti Nylon-Clutches, die aus dem Drucker kommen.

Inzwischen haben auch IT-Experten entdeckt, welches Potential in 3D-Druck und Kleidung steckt. Sie denken zum Beispiel darüber nach, ob und wie sich die Beschaffenheit von Kleidung an das Wetter anpassen kann. Kleidung, die Wetterverhältnisse erkennt und sich je nach Witterung verändert: Vor allem für die Wanderer und Outdoor-Freunde unter uns dürfte das spannend klingen.

Dabei ist es fast schon höchste Zeit, dass sich jemand mit derlei Fragen beschäftigt. Das Verfahren ist nämlich gar nicht mal so neu. Die Idee stammt vom US-Ingenieur Chuck Hall. 1984 war diese Idee des so genannten „Additive Manufacturing“ so weit gediehen, dass er sie als Patent anmeldete. Dabei erhärten Laserstrahlen alle Arten von Materialien wie Metall, Plastik oder Zellgewebe. Danach werden sie schichtweise übereinander gelegt. Heraus kommen dreidimensionale Gebilde.

Schon 1984 erfunden

3D-Druck ist aber nicht nur was für verkappte Daniel Düsentriebs. Auch uns Normalos eröffnet das 3D-Druckverfahren ungeahnte Möglichkeiten. Und wo wir gerade so schön schwelgen: Man stelle sich mal vor, man hätte selbst seinen eigenen 3D-Drucker. Dann könnte man sich jederzeit ein paar neue, hübsche Sachen ausdrucken, wenn man die alten Sachen leid ist. Der Satz: „Ich hab nichts anzuziehen“ wäre dann endgültig Geschichte.

Esther Hetzert

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Esther Hetzert ist bergisch durch und durch. In Solingen aufgewachsen hat es sie nach einem Schlenker über Köln nach Bergisch Gladbach verschlagen. Das journalistische Handwerk hat sie von der Pike auf gelernt. Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in Köln und Wuppertal volontierte sie beim Solinger Tageblatt. Seit 1997 arbeitet sie als Redakteurin. Inzwischen hat sie ihr eigenes Redaktionsbüro und unterstützt seit Oktober 2015 das Team der tas als Autorin.
Ihre Studienfächer lassen es schon erahnen: Esther hat einen ausgeprägten Hang zum englischsprachigen Raum. Besonders hat es ihr Großbritannien angetan, und dort vor allem die Royal Family. Zwar lebt sie im wahren Leben mit ihrer Familie in „Gläbbisch“. In ihren Träumen aber residiert sie längst in Windsor Castle.

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